Unsere Geistlichen
Dr. Elfriede Kreuzeder

Liebe Friedl, nun bist Du schon längere Zeit im Priesteramt tätig. Welche Erfahrungen hast Du gemacht?
Im Priesteramt habe ich bis jetzt nur sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich bin vom Kirchenvolk ganz allgemein sehr gut aufgenommen worden, und mit einer Ausnahme auch von den Amtsbrüdern.
Ich bin am 1. September 1951 in den Dienst der Altkatholischen Kirche Österreichs getreten, bin also bald 50 Jahre offiziell für die Kirche tätig. Schon seit 1946 habe ich in der Jugendgruppe St. Salvator gearbeitet. Ich würde - wenn es der liebe Gott erlaubt - sehr gerne noch ein paar Jahr für die Kirche tätig sein.
Meine großen Erfahrungen, besonders auf dem Gebiet der Ökumene, sind sicherlich eine Bereicherung, aber auch sonst habe ich noch einiges zu sagen. Ich finde es schade, wenn man in anderen Berufen ältere Menschen ins Nichtstun abschiebt. Man nimmt ihnen damit etwas von ihrer Lebensqualität und der Gemeinschaft ihre Erfahrung und ihre Liebe.
Ich habe eben ein Buch über die Geschichte der Kirche von England fertiggeschrieben und denke bereits an ein neues.

Du warst von Anfang an ökumenisch stark engagiert. Wirst Du mit deinem Amt auch in der Ökumene akzeptiert?
Die ökumenische Akzeptanz ist fast noch größer als vorher. Ich habe in sehr vielen römisch-katholischen Gemeinden Vorträge gehalten und Gottesdienste gefeiert. Selbst die Orthodoxen laden mich immer wieder ein, in vollem Ornat aktiv ökumenisch mitzufeiern.

Dein Mann ist auch Pfarrer unserer Kirche. Ist das nicht ein bißchen Viel Geistlichkeit für einen Haushalt?
Wir finden es schön, immer einen "Kollegen" bei der Hand zu haben, mit dem man theologisch fachsimpeln kann. Wichtig ist, daß wir es verstehen, unsere Freizonen zu erhalten.

Was wünscht Du unserer Kirche für die Zukunft?
Unsere Kirche soll "altkatholisch" bleiben. Überfremdung halte ich für gefährlich für unsere Identität. Wir brauchen auch in Zukunft sehr gut ausgebildete altkatholische Theologen.

 

Kurzportrait Dr. Elfriede Kreuzeder

  Geboren am 19. Mai 1927 in Wien. Volksschule, von 1937.1945 RG, ab 1938 Oberschule für Mädchen in Wien XIX.

Schockierende Eindrücke 1938 durch den Verlust vieler jüdischer Freundinnen, sehr bald Kritik am Naziregime, Schwierigkeiten in der Schule durch Kritik an Rosenbergs "Mythos des 20. Jahrhunderts" Matura Anfang 1945, 3 Monate zwangsweiser Kriegsdienst.

Am 1. April 1945 Flucht vor den Russen nach dem Westen, Kriegsende als Magd auf einem Bergbauernhof am Mondsee. Rückkehr nach Wien am 1. November 1945. Zusammenleben mit den Eltern in einem bombengeschädigten Haus im 19. Bezirk.

Ab Sommersemester 1946 Studium an der Universität Wien, Hauptfächer Religionswissenschaften (im Rahmen der Völkerkunde) und Klassische Archäologie. Promotion zum Dr. phil. Im Februar 1951.

Ab 1949 ehrenamtliche Mitarbeit in der altkatholischen Kirche, vor allem in der Jugendarbeit und in der Lebensmittel- und Kleiderverteilung. Seit dieser Zeit enge ökumenische Kontakte.

Ab Wintersemester 1951 Studium der Theologie vor allem an der Evangelisch-theologischen Fakultät.

Im April 1953 Heirat mit Ernst Kreuzeder, einem Studienkollegen; im Dezember 1954 Geburt der Zwillinge Ruth und Ronald.

Schon ab dem Schuljahr 1951/52 Religionsunterricht an Volks- und Hauptschulen, nach Abschluß der Studien ab 1955 an AHS (teilzeitlich). Von nun an hauptamtlich tätig als "Seelsorgehelferin" (entspricht einer Pastoralassistentin), vor allem als Referentin des Kirchlichen Außenamtes (Ökumene und Verbindung zur Anglikanischen Kirchengemeinschaft) und als Referentin für Rundfunk und Fernsehen.

In dieser Zeit Gründungsmitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, des Weltgebetstages der Frauen, Mitbegründerin der "Ökumenischen Morgenfeier im Österreichischen Rundfunk" und zahlreiche andere ökumenische Aktivitäten.

1957 drei Monate in den USA, um Kontakte zur (anglikanischen) Episkopalkirche zu vertiefen. Von nun an zahlreiche dienstliche Auslandsreisen, vor allem nach England, der Schweiz und Deutschland und nach Thailand. Jahrelang Vizepräsidentin des Ökumenischen Rates des Kirchen in Österreich und Vizepräsidentin der Österreichischen Bibelgesellschaft.

Seit 1986 in Pension, im Februar des selben Jahres Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Seither weitere ehrenamtliche Arbeit für die Altkatholische Kirche, zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, Examinatorin für Altes und Neues Testament und Erwachsenenbildung.

1991 Weihe zur ersten katholischen Diakonin in Österreich, 1998 als erste Österreicherin die Priesterweihe empfangen. Seither als Seelsorgerin für homosexuell liebende Menschen tätig.