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Der Josefinismus

Bereits unter Maria Theresia, einer geradezu bigotten Herrscherin, wurde mit der Reform der katholischen Kirche begonnen. So hob sie im österreichischen Kaiserreich den Jesuitenorden auf.

Zur Blüte kam die katholische Reformbewegung unter ihrem Sohn Josef II (Alleinregierung 1780 bis 1790).

Aufgeklärtes Staatskirchentum
Der Kaiser und seine Berater vertraten die Auffassung, daß alle kirchlichen Angelegenheiten, die nicht den Glauben oder das Gewissen betreffen, durch den Staat geregelt werden sollen. Die staatliche Verwaltung habe die Pflicht, bei kirchlichen Mißständen ordnend einzugreifen.

So kann es unter der Herrschaft Josefs II zu folgenden Reformmaßnahmen:

  • Die Rechte des Papstes auf österreichischen Gebiet wurden eingeschränkt. Josef versuchte, eine von Rom unabhängige Nationalkirche zu schaffen.
  • 700 bis 800 Klöster, die weder der Armen- und Krankenfürsorge noch der Schule oder Volkserziehung dienten, wurden aufgelöst und ihr Vermögen vom Staat eingezogen.
  • Aus den beschlagnahmten Klöstergütern wurde der Religionfond eingerichtet, der eine bessere Ausbildung der Geistlichen und Wohlfahrtsprojekte finanzierte.
  • Seminare zur Ausbildung von Geistlichen wurden eingerichtet. Sie unterstanden staatlicher Aufsicht. Aufgabe der Geistlichen sollte es sein, ihre Gläubigen nicht nur zu guten Christen, sondern auch zu nützlichen Staatsbürgern zu erziehen.
  • Im ganzen Reich wurde eine flächendeckende Versorgung durch Pfarrkirchen eingerichtet. Ziel war es, daß die Gläubigen ihre Kirche zu Fuß in einer halben Stunde erreichen konnten.
  • Auch das gottesdienstliche Leben wurde reglementiert:
    • die Regierung gab Richtlinien für die Liturgie und Predigt heraus,
    • der Gemeindegesang wurde eingeführt,
    • Wallfahrten und Prozessionen wurden eingeschränkt,
    • das Ablaßwesen wurde staatlich beaufsichtigt
    • eine Begräbnisordnung, die den Aufwand der Feier beschränken sollte, erwies sich allerdings als nicht durchführbar.

1781 erließ Kaiser Josef II das Toleranz-Edikt, das den Protestanten und Orthodoxen auf österreichischem Gebiet die Duldung und die Ausübung des Gottesdienstes gewährleistete.

Leopold II und die Reformen in der Toskana
Während Josef II in Österreich auf die "Reform von oben" setzte, ging, der Großherzog der Toskana Leopold II - ein Bruder des Kaisers – andere Wege. Er und sein kirchlicher Berater Erzbischof Scipione Ricci, beriefen 1786 die Synode von Pistoja ein. Diese Synode, an der Gemeindepfarrer und Laienvertreter teilnahmen, sollte die Reform der Kirche in die Wege leiten.

Wichtige Forderungen waren dabei

  • die Reform der Messe,
  • die Stärkung der Autorität der Bischöfe
  • und eine bessere Ausbildung der Geistlichen

Dem Papst wurde durch die Synode nur ein Vorrang des Dienstes zugestanden.

1790 wurde Großherzog Leopold nach dem Tod seines Bruders Kaiser, starb jedoch nach einer Regierungszeit von nur zwei Jahren. Seine Nachfolger sowohl in der Toskana als auch im Kaiserreich Österreich beseitigten allmählich die Bestimmungen der Josefinischen Kirchenreform.

Das und die französische Revolution führten zu einem schweren Rückschlag. 1794 verurteilte der Papst die Ergebnisse der Synode von Pistoja in der Bulle Auctorem fidei.

Dennoch wirkten die Grundsätze des Josefinismus in den österreichischen Ländern noch lange nach. Im Schweizer Fricktal z.B., das im 18. Jhdt unter österreichischer Verwaltung stand, erhielt sich die Erinnerung an diese Reformen bis zur Entstehung der Christkatholischen Kirche nach 1871.

Wessenberg und die gescheiterte Reform
Ähnliche Reformen wie Josef und Leopold versuchte Ignaz Heinrich von Wessenberg (+1860) im Bistum Konstanz zu verwirklichen. Er war dort als Bistumsverweser tätig.

Sein Ziel war eine von Rom weitgehend unabhängige bischöflich-landeskirchliche Struktur. Auf dem Wiener Kongreß 1815 trat er für die Schaffung einer deutschen katholischen Nationalkirche ein.

Besonders wichtig war Wessenberg die Reform des geistlichen und gottesdienstlichen Lebens in seinem Bistum.

Die Ausbildung der Geistlichen versuchte er zu verbessern durch Lesevereine , Pfarrkonferenzen, Predigt- und Unterrichtskurse. Für seine Geistlichen strebte Wessenberg die Abschaffung des Zölibatszwanges an.

Das gottesdienstliche Leben versuchte Wessenberg von Mißbräuchen zu reinigen:

  • Das Rosenkranzgebet während der Messe wurde verboten
  • Wessenberg gab deutschsprachige Gebet- und Gesangbücher heraus, so daß die Gläubigen den Ablauf der Messe mitverfolgen konnten.
  • Er schränkte die vielen Wallfahrten, Bittgänge, Weihungen und Segnungen einund wandte sich gegen das allzu häufige Beichten und die übertriebene Marienfrömmigkeit.

Wessenbergs Reformen fanden zwar in weiten Kreisen der süddeutschen und schweizerischen Geistlichkeit großen Anklang, Rom aber gingen diese Veränderungen zu weit.

Ignatz von Wessenberg selbst lehnte in Rom die Unterwerfung unter die päpstliche Autorität ab. Dieses mutige Bekenntnis hatte Folgen.

1821 wurde das Bistum Konstanz aufgehoben – sein Bistumsverweser mußte sich ins Privatleben zurückziehen. 1860 starb dieser letze große Träger einer katholischen Reformbewegung in völliger Vergessenheit.